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Der CO2-Steuer, Klimaschutz und Geschäftsreisen – eine Herausforderung für Unternehmen

Jannyn SaßReiseplanung

Leaders for Climate Change, Fridays for Future, Grüne Startups und Investoren – immer mehr Menschen und auch immer mehr Unternehmen sehen den Bedarf, aktiv etwas für das Klima zu tun. Viele Wissenschaftler betonen, dass wir an einem Umkehrpunkt stehen, bei dessen Überschreitung große klimatische Veränderungen eintreten würden. Vor allem bei der globalen Erwärmung spielen diese Kipppunkte eine wesentliche Rolle.

Wie sehr wir diese Kipppunkte beeinflussen können, zeigt uns der Lockdown der Corona-Krise: Über eine Milliarde Tonnen CO2 wurden weniger ausgestoßen. Das ist der stärkste Rückgang an CO2-Emissionen seit 1945. Allein in den ersten beiden Wochen des Lockdowns ist die Luftverschmutzung um etwa 20 Prozent zurückgegangen. Das heißt, durch eine bloße Änderung von gängigen Strukturabläufen, konnte das Klima positiv beeinflusst werden. Auch in der Politik denkt man in Richtung Verhaltensänderung, um positiv auf das Klima einwirken zu können. Mit einer Bepreisung von CO2 soll ein Umdenken erfolgen.

Seitens der Politik wird ab 2021 die Reduktion des CO2-Ausstosses über eine CO2-Steuer forciert

Die EU-Politik verfolgt aktiv das Ziel, dass europäische Unternehmen bis 2030 ihre Emissionen um 43% reduzieren. Dazu wird ab 2021 die CO2-Steuer in Deutschland eingeführt, mit der die Bundesregierung ihre CO2-Ziele durchsetzen und Unternehmen wie Privatpersonen dazu veranlassen will, ihr CO2-Verhalten zu ändern.

Während bislang nur Firmen aus der Energiewirtschaft, Industriekonzerne und Fluglinien für Treibhausgas-Emissionen zahlen mussten, wird der CO2-Preis ab 2021 einheitlich festgelegt. Die CO2-Bepreisung wird ab 2021 vor allem die Sektoren Verkehr und Wärme betreffen. Erfasst werden dabei die Emissionen aus der Verbrennung fossiler Brenn- und Kraftstoffe (insbesondere Heizöl, Flüssiggas, Erdgas, Kohle, Benzin, Diesel) und die Emissionen der Wärmeerzeugung von Gebäuden, die dann als Grundlage für die Bemessung der Höhe der Besteuerung dienen. Deklarierter Hintergrund ist den 1,5 Grad Weg einzuschlagen, um größere Extremereignisse zu verhindern.

Wie sieht die Bepreisung im einzelnen aus?

Weltweit sind bislang etwa 70 unterschiedliche CO2-Bepreisungssysteme eingeführt worden oder werden in Kürze in Kraft treten. Dabei reicht das Spektrum von Steuern bis hin zu Emissionshandelssystemen oder Hybridsystemen bestehend aus einer Kombination von Preis- und Mengensteuerung.

Quelle: https://www.pik-potsdam.de/news/press-releases/files/eckpunkte-einer-co2-preisreform-fur-deutschland

Für die deutsche Bepreisung ist ein stufenweise steigender Preis vorgesehen, der 2021 zunächst mit 25 Euro pro Tonne produziertem CO2- startet und bis zum Jahr 2025 auf 55 Euro erhöht werden soll.

Auswirken wird sich eine solche Bepreisung im Privatpersonenbereich vor allem darin, z. B. weniger Auto zu fahren, sparsamer zu heizen oder ein Elektroauto bzw. eine neue Heizung zu kaufen. Für Unternehmen Unternehmen sind die Auswirkungen etwas komplexer. Vom Geschäftsreisebereich bis zum Stromverbrauch – hier können die erhöhten Kosten die durch die Bepreisung entstehen zu einer kompletten Umstrukturierung führen, zum Beispiel im Geschäftsreisebereich bei der Wahl der Reisemittel. Begünstigen würde diese Umstrukturierung auch die mit dem Klimaschutzprogramm in diesem Jahr eingeführte höhere Flugsteuer und der im Gegenzug abgesenkten Mehrwertsteuer für Bahntickets.

Wird dann künftig nur noch innerdeutsch die Bahn statt des Flugzeugs für Geschäftsreisen in Frage kommen?

Werden Firmen ihre Fuhrparks abbauen oder komplett auf Elektro-Autos umsatteln? Fragen, die im Zuge der kommenden CO2-Bepreisung entstehen. Um sich schon jetzt darauf vorzubereiten und die potenziellen Kosten abschätzen zu können, ist ein erster Schritt, die CO2-produzierenden Bereiche des Unternehmens zu kennen und zu analysieren, um ggf. schon jetzt die CO2-Emissionen reduzieren zu können.

Wer sind die Verursacher nach Bereichen?

Quelle: bdl.aero

Im Gesamtverhältnis der CO2-Produzenten ist die Strom/Wärmeproduktion Hauptverursacher schädlicher Emissionen, gefolgt von der Industrie. Erst dann schließt sich der Mobilitätssektor an. Deutlich wird auch, dass weltweit der Luftverkehr vergleichsweise einen im Gesamtverhältnis gesehen relativ geringen Anteil an den gesamten CO2-Emissionen einnimmt. Nur 2,8 % obliegen dem Fliegen, während der Straßenverkehr und die Industrie bei ca. 18 % liegen. Hauptverursacher bleibt demnach die Strom/Wärmeproduktion aus der Kohlekraft mit 41,5 %.

Wer ist Verursacher Nummer 1 im Travel-Bereich?

Ob per Flugzeug oder mit dem Auto, mit oder ohne Übernachtung im Hotel: Jede Reise verursacht CO2-Emissionen. Dennoch lassen sich trotz Digitalisierung Geschäftsreisen und damit CO2-Emissionen nicht immer vermeiden, da der persönliche Kundenkontakt wichtig für Unternehmen ist.


Interessant für Travel Manager ist daher die Analyse des Geschäftsreisebereichs nach jeweiligem Reisemittel (Flug, Zug, Bahn, Mietwagen/Firmenauto). Das Ergebnis: Zwar produziert der gesamte Transport-Bereich der Straße fast das 8fache an CO2-Emissionen im Vergleich zu Inlandsflügen, dennoch schneidet ehrlicherweise das Flugzeug im Vergleich der Einzelanbieter des Mobilitätsbereichs am schlechtesten ab. Im Einzelvergleich aller Mobilitätsanbieter wird durch ein Flugzeug etwa 230 g/Pkm produziert, während durch die Bahn nur 32 g/Pkm des schädlichen Treibhausgases CO2 entstehen.

Hinzu kommt, dass beim Fliegen zusätzlich zum CO2 durch die Verbrennung von Kerosin zahlreiche weitere Schadstoffe wie Stickoxide, Aerosole und Wasserdampf entstehen, die ebenfalls zur Erwärmung der Erdatmosphäre beitragen. Dadurch beträgt die Treibhauswirkung des Fliegens im Durchschnitt etwa zwei- bis fünfmal mehr als die alleinige Wirkung des ausgestoßenen CO2.

Die wichtigsten Aktionen für Klimaneutralität

1. Auswahl der Reisemittel

Insbesondere der Geschäftsreisebereich trägt großes Potenzial in sich, den CO2-Fußabdruck zu optimieren. Aus diesem Grund sehen sich Travel Manager im Unternehmen in der Verantwortung, Aktionen für Klimaneutralität für den Geschäftsreisebereich einzuführen und setzen auf darauf aufbauend das unternehmensweite Ausrollen umweltbewusster Reiserichtlinien bzw. wählen von vornherein Geschäftsreisen auf Basis nachhaltiger Kriterien wie Bio-Hotels, Elektro-Dienstwagen, Bahnfahrten. 

Auf Basis der Analyse im eigenen Unternehmen wird deutlich, inwieweit Flugreisen genutzt werden. Hier kann zunächst geprüft werden, ob sich die Anzahl der Flüge reduzieren und durch Bahnfahrten ersetzen lässt. Ist dies nicht möglich, kann der klimabewusste Travel Manager ein Budget zur Kompensierung der CO2-Emissionen im Unternehmen anregen. Einen Flug von Frankfurt/M. nach Berlin zu kompensieren, kostet beispielsweise nur 3 Euro, nach Sydney allerdings schon ca. 260 Euro.

Die Bahn sollte nach Möglichkeit aus folgenden Gründen dem Fliegen vorgezogen werden:

  1. Der  CO2-Verbrauch bei einer Bahnfahrt ist deutlich geringer.
  2. Auch weitere Substanzen wie Stick­oxide, Aerosole und Wasser­dampf, die bei der Verbrennung von Kerosin ent­stehen, tragen zur Erder­wärmung bei und werden durch Bahnfahrten verhindert.
  3. Um rund das 7fache kann der CO2-Verbrauch reduziert werden, indem die Bahn als Reisemittel anstelle des Flugzeugs gewählt wird.

Eine aktuelle Studie des Umweltbundesamtes zeigt, dass bei einer Verlagerung aller innerdeutschen Flüge von unter 600 Kilometer auf die Bahn 200.000 innerdeutsche Flüge entbehrlich machen würden und den CO2-Verbrauch drastisch reduzieren könnte.

Quelle: https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/2546/publikationen/uba_schwerpunkt_magazin_fliegen__0.pdf

2. CO2-Emissionen kompensieren

Aber nicht nur die Wahl der Reisemittel ist ein entscheidender Hebel zur Klimaneutralität im Unternehmen. 

Wesentlich ist eine Gesamtstrategie zur Reduzierung des bestehenden CO2-Verbrauchs jeden Bereiches als auch im Anschluss die entsprechenden Maßnahmen zur Kompensation der entstandenen Emissionen eingeführt werden. Auch freiwillige Kompensationsprogramme rücken mehr in den Fokus, um nicht vermeidbare Emissionen auszugleichen und um ein grünes Image zu statuieren. 

Hierzu können Sie auch ein mehrstufiges Programm aufsetzen, um je nach Budget weitere Aktionen für die Zukunft zu planen.

Mehr dazu erfahren Sie demnächst in unserem neuen Klima-Whitepaper, das im Juli erscheinen wird. Hier werden wir explizit Handlungsempfehlungen geben, wie sich Unternehmen in den einzelnen Bereichen klimaneutral aufstellen können. Hier können Sie sich schon jetzt voranmelden.

Comtravo berät Sie gern zu geeigneten Maßnahmen, wenn Sie sich als Unternehmen klimaneutral aufstellen wollen und unterstützt Sie bei der Analyse und Auswertung. Für die Wahl eines geeigneten Kompensationspartners arbeiten wir mit Atmosfair zusammen, so dass Sie passend zu Ihrem Unternehmen Ihren CO2-Verbrauch kompensieren können.

Inhaltsverzeichnis

Seitens der Politik wird ab 2021 die Reduktion des CO2-Ausstosses über eine CO2-Steuer forciert

Wie sieht die Bepreisung im einzelnen aus?

Wird dann künftig nur noch innerdeutsch die Bahn statt des Flugzeugs für Geschäftsreisen in Frage kommen?

Wer sind die Verursacher nach Bereichen?

Wer ist Verursacher Nummer 1 im Travel-Bereich?

Die wichtigsten Aktionen für Klimaneutralität

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