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Erfolgt der Neustart für Geschäftsreisen noch 2021?

Jannyn SaßReiseplanung

Erstmalig seit Februar 2021 lässt sich ein leichter Aufwärtstrend für Geschäftsreisebuchungen beobachten: Gemäß einer Umfrage des Verbandes für deutsches Reisemanagement (VDR) führen seit Februar 2021 wieder mehr Unternehmen Geschäftsreisen durch. Diesen Optimismus teilen auch die Branchenverbände der Geschäftsreiseindustrie: Gleich mehrere namhafte Verbände prognostizieren noch für dieses Jahr die Wiederbelebung des Geschäftsreisemarktes.

Worauf basieren diese Prognosen und warum könnten Geschäftsreisen noch in diesem Jahr wieder zunehmen?

Erfahren Sie in diesem Artikel 

  • mehr darüber, warum sich für Geschäftsreisen noch in diesem Jahr ein Aufschwung erwarten lässt und 
  • welche sechs Faktoren momentan zu berücksichtigen sind, damit notwendige Geschäftsreisen in Unternehmen wieder möglich sind.

Aufschwung für Geschäftsreisen noch in diesem Jahr möglich

Noch in diesem Jahr könnten Geschäftsreisen wieder zunehmen und bis zum Jahr 2025 sogar die gesamte Branche erholt sein – so jedenfalls lautet die Prognose von BTI Outlook, einer Studie, die seit 12 Jahren die Geschäftsreiseindustrie analysiert. Allein für das letzte Jahr wurden 240 Unternehmen in qualitativen Telefoninterviews befragt. Das Ergebnis für 2020: Die wirtschaftlichen Verluste durch die Corona-Krise und die Folgen für Geschäftsreiseanbieter waren immens. Dennoch ist laut BTI Outlook schon für 2021 ein Anstieg an Geschäftsreiseausgaben um 21 Prozent wahrscheinlich. Dementsprechend soll sich der Markt für 2022 laut BTI Outlook weiter erholen und schon bis Ende 2024 könnten die jährlichen Ausgaben für Geschäftsreisen bereits den Höchststand von 1,4 Billionen US-Dollar von vor der Pandemie erreichen [1].

Auch der Geschäftsreiseverband GBTA geht von einer ähnlichen Markterholung aus [2], ebenso die International Air Transport Association (IATA). In der IATA-Basisprognose für 2021 wird eine steigende Nachfrage von Flugreisen allgemein um 50,4 % gegenüber 2020 prognostiziert. Dies würde die Geschäftsreisebranche auf 50,6 % des Niveaus von 2019 bringen. Womit lässt sich das erklären [3]?

Die Diskussion um den digitalen Impfpass für Reisen

BTI Outlook begründet dieses positive Wachstumsszenario vor allem mit der Diskussion um die Einführung von digitalen Impfpässen. Einzelne Länder setzen sich schon jetzt dafür ein, dass Menschen mit Impfpass einreisen können, um damit eine Öffnung für Reisen voranzutreiben. Darf künftig nur noch reisen, wer einen Corona-Impfpass vorlegen kann? 

Ein brisantes Thema in den verschiedenen Interessensgruppen. Länder wie Griechenland, Spanien, Rumänien und weitere, die sehr stark auf den Tourismus angewiesen sind, ändern z. B. schon jetzt ihre Einreiseregeln dahingehend, dass die Quarantänepflicht und Testung entfällt, sobald ein Impfpass vorliegt. Für den Deutschen Ethikrat ist dies Grund für ein Votum: Das 26-köpfige Gremium spricht sich gegen Impfprivilegien aus mit der Begründung einer Spaltung der Gesellschaft. Vor allen Dingen müsste aus Sicht des Ethikrats zunächst sichergestellt sein, dass Geimpfte ihre Mitmenschen nicht mit Covid-19 infizieren können. Wissenschaftliche Nachweise dafür stehen noch aus. Jedoch, Deutschland mag aktuell Impfprivilegien ausschließen, andere Staaten nicht. Auch für die Zukunft ist die letztendliche Entscheidung noch nicht gefallen. Laut Merkel hält man sich eine Neubewertung für Impfprivilegien noch offen [4].

Viele deutsche Reiseverbände sprechen sich eindeutig gegen eine Impfpflicht für das Reisen aus. Zur gleichen Diskussion im Hotelbereich sagt z. B. Guido Zöllick, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), dass sich Hoteliers oder Wirte nicht einfach einen Impfnachweis zeigen lassen dürften: „Wir sind doch keine Behörde, die das entsprechende Recht dazu hat.“ Auch der Deutsche Reiseverband (DRV) äußert sich eher verhalten: „Die Frage nach Vorteilen oder Lockerungen für bereits geimpfte Personen ist zum jetzigen Zeitpunkt sehr theoretisch“, sagt Verbandspräsident Norbert Fiebig. „Zum einen wird es noch dauern, bis alle Menschen, die geimpft werden möchten, auch geimpft werden können. Zum anderen muss geklärt werden, dass geimpfte Personen das Virus nicht mehr weitergeben.“

Feststeht: Die Debatte über Impfprivilegien ist – auch wenn einige Länder vorpreschen – noch so lange theoretisch, bis bewiesen ist, dass Geimpfte nicht ansteckend sind [5].

Die wichtigsten 6 Faktoren, um notwendige Geschäftsreisen zu ermöglichen

Für Unternehmen, die aktuell notwendigerweise geschäftlich reisen müssen, haben wir die wichtigsten Punkte zusammengestellt, um Geschäftsreisen im Rahmen der Fürsorgepflichten als Arbeitgeber zu ermöglichen.

1. Informationsmanagement zu Ein- und Rückreisebestimmungen der Länder

Ob PCR-Tests, Online-Anmeldungen oder Impfung für die einzelnen Reiseländer gelten jeweils verschiedene Einreisebedingungen. Travel Manager sollten diese kennen und die Reisenden des Unternehmens rechtzeitig darüber informieren. Ebenso wichtig ist hierbei auch das Aufklären über die Rückreise – denn kommt man z.B. aus einem Hochinzidenzgebiet zurück, gelten andere Bedingungen, als wenn man aus einem Risikogebiet zurück nach Deutschland einreist. 

Für Einreisende aus einem Risikogebiet gilt eine 10tägige Quarantänepflicht, die nach fünf Tagen durch ein negatives SARS-CoV-2-Testergebnis aufgehoben werden kann. Außerdem besteht eine Anmeldepflicht bei Einreise unter https://www.einreiseanmeldung.de

Einreisende aus einem Hochinzidenzgebiet hingegen müssen schon bei Einreise nach Deutschland ein negatives SARS-CoV-2-Testergebnis (nicht älter als 48 Stunden) bei sich führen. Sollte dies nicht möglich sein, kann die Testung durch den Beförderer erfolgen. In dem Fall darf der Test nicht mehr als 12 Stunden vor der Abreise erfolgt sein. Ausführliche Informationen zu den Einreiseregelungen finden Sie auf den Seiten des RKI und auf unserem Comtravo-Blog.

2. Genehmigungsverfahren klären

Ebenfalls sollte im Vorfeld definiert werden, welche Geschäftsreisen grundsätzlich genehmigt werden, wer damit beauftragt ist und welche Reisemittel gebucht werden sollten. Die Person, die Geschäftsreisen genehmigt, sollte die Fürsorgepflichten sicherstellen und auch die notwendige interne Kommunikation einleiten können. Das bisherige Genehmigungsverfahren sollte ggf. hinsichtlich der

  • Reisemittel (Hotels, Zug, Flug, Mietwagen) und
  • Genehmigungsberechtigungen,

 noch einmal unter die Lupe genommen werden.

3. Festlegung zu den Tarifen pro Reisemittel treffen

Um aktuell Kosten zu sparen, sollten bei der Planung von Geschäftsreisen im Vorfeld flexible Tarife gebucht werden. 

  • Für die Deutsche Bahn empfehlen wir für die größtmögliche Umbuchungsflexibiltät den Flexpreis, selbst wenn der Sparpreis günstiger ist. Im Fall von abgesagten oder veränderten Reiseterminen zahlt sich der Flextarif häufig aus. 
  • Mietwagenbuchungen sind normalerweise stornier- und umbuchbar. Hier besteht eher die Gefahr, dass mitunter die Stationen selbst geschlossen sind. 
  • Bei Flugbuchungen empfehlen sich umbuchbare Flüge oder auch die stornierbaren Tarife. Die stornierbaren Tarife zahlen sich vor allem dann aus, wenn die Kunden nicht so oft eine bestimmte Strecke fliegen. Viele Airlines erlassen auch die Umbuchungsgebühren. Hier ist es jedoch gut, sich im Vorfeld zu informieren, ob das auch für die gewünschte Reise oder den gebuchten Tarif gilt. In fast allen Economy-Tarife z. B. werden Gebühren bei der Stornierung erhoben, wenn der Kunde storniert. Dies gilt selbst bei einem Flex-Tarif. Das bedeutet, dass ein kundenseitig stornierter Flug Kosten produziert – die Umbuchung hingegen ist kostenfrei. 
  • Bei Hotels empfehlen wir ebenfalls die stornierbaren Raten. Hierbei sollte auf das letztmögliche Datum der Stornierbarkeit geachtet werden.

4. Klare Kommunikationsprozesse

Was ist zu tun, wenn ein Reisender im Ausland ist und dieses kurzfristig zu einem Hochinzidenzgebiet erklärt wird? Was passiert, wenn das Zielland kurzfristig in einen veränderten Lockdown-Status geht? Dies sind wesentliche Fragen, die häufig auftreten, wenn sich Geschäftsreisende im Ausland befinden. In diesen Situationen ist es wichtig, einfach und schnell mit dem Reisenden Kontakt aufzunehmen. Daher sollte im Vorfeld geklärt werden, wie die Erreichbarkeit aussieht und wer im Unternehmen für die Kommunikation zuständig ist. Hilfreich sind an dieser Stelle auch Übersichten wie Dashboards in Echtzeit, um Reisende lokalisieren zu können, so dass sofort reagiert werden kann. Unser Buchungstool unterstützt Sie mit diesen hilfreichen Übersichten zur Reisenden-Lokalisierung.

5. Umgang mit Impfungen

Aktuell sind Impfungen freiwillig. Daher besteht aktuell in den meisten Unternehmen kein Bedarf, sie zum Bestandteil einer Geschäftsreiserichtlinie zu machen. Sollten bestimmte Reisen in Zukunft eine Impfung voraussetzen, wird dies ganz besonders im Geschäftsreisebereich neue Themenfelder auf die Tagesordnung bringen. Dann muss der Arbeitgeber prüfen, ob sein Angestellter einen Impfnachweis hat, bevor er ihn auf Dienstreise schickt.

6. Hochwertigen Kundensupport in Anspruch nehmen

Damit auch Sie notwendige Geschäftsreisen durchführen können, haben wir unsere Expertise im Kundenservice ausgebaut: Mit über 100 Reiseexperten steht Ihnen bei Comtravo rund um die Uhr ein erfahrenes Team beratend zur Seite, so dass Sie sich jederzeit professionellen Rat einholen können. Dies hat sich für viele unserer Kunden in der Vergangenheit bereits ausgezahlt, z. B. bei Rückholaktionen, Umbuchungen und Stornierungen oder bei kurzfristigen Änderungen durch die Fluggesellschaft

Kontaktieren Sie uns gern, wenn Sie notwendige Geschäftsreisen durchführen möchten, aber aktuell noch unsicher sind, worauf dabei zu achten ist.

 

 

 

 

 

 

Endnoten:

[1] https://bticonsulting.com/wp-content/uploads/2020/09/Methology-and-TOC_slide.pdf

[2] https://abouttravel.ch/geschaftsreisen-tagungen/mice-markt-international/geschaeftsreiseverkehr-soll-im-jahr-2021-wieder-anziehen/

[3] https://www.fvw.de/businesstravel/travelmanagement/gbta-studie-geschaeftsreisen-erholen-sich-bis-2025-vollstaendig-216200?crefresh=1

[4] https://www.tagesschau.de/inland/merkel-impfung-corona-101.html

[5] Das hat gerade erst das Verwaltungsgericht Greifswald entschieden. Ein Vermieter von Ferienwohnungen in Mecklenburg-Vorpommern wollte das Verbot umgehen, indem er nur solche Gäste empfängt, die gegen Covid-19 geimpft oder von einer Erkrankung genesen sind. Die Richter stellten klar: Bevor über derartige Sonderrechte debattiert werden kann, muss eine Übertragung des Virus durch Geimpfte ausgeschlossen sein. (Stand: 24.02.2021)

Inhaltsverzeichnis

Aufschwung für Geschäftsreisen noch in diesem Jahr möglich

Die Diskussion um den digitalen Impfpass für Reisen

Die wichtigsten 6 Faktoren, um notwendige Geschäftsreisen zu ermöglichen

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