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Fliegen in Zeiten von Corona – Was ist möglich?

Jannyn SaßReiseplanung

Noch Anfang diesen Jahres hätte sich niemand träumen lassen, dass Airlines komplett am Boden stehen bleiben oder dass europäische bzw. Grenzen weltweit geschlossen werden. Selbst zum jetzigen Zeitpunkt lässt sich schwer sagen, wann Geschäftsreisen per Flugzeug wieder möglich sein werden. Aktuell bedeutet Fliegen hauptsächlich Rückholflüge, Frachtdienstleistungen oder wie aktuell z. B. bei Condor Erntehelfer-Flüge. 

Auch viele unserer Kunden fragen sich, wann Fliegen wieder möglich sein wird bzw. ob Flüge aktuell gebucht werden sollten. Die Antwort ist leider auch von unserer Seite nicht so einfach, da die Risiken da sind und sich relativ schwer einschätzen lässt, wie sich die Luftfahrtbranche entwickeln wird. Vor allem durch zwei Punkte wird diese Einschätzung erschwert: 

  1. dass die Grenzschließungen der einzelnen Länder zwar einen Zeitraum benennen, jedoch Verlängerungen als wahrscheinlich anzusehen sind und
  2. dass die Marktstruktur der Luftfahrtbranche inkl. der Hersteller und Zulieferer sich neu verteilen könnte und Airlines Insolvenz anmelden müssen.

Dennoch bieten viele Airlines gerade jetzt sehr günstige Angebote mit kulanten Umbuchungsmöglichkeiten an. Daher: Was ist Stand heute empfehlenswert? Mit diesem Artikel untersuchen wir die für Geschäftsreisende zur Verfügung stehenden Optionen:

  1. Ist Fliegen in Zeiten von Corona möglich?
  2. Was spricht für eine Flugbuchung zum jetzigen Zeitpunkt?
  3. Was spricht gegen eine Flugbuchung zum jetzigen Zeitpunkt?
  4. Was ist der Hintergrund, warum Flüge wahrscheinlich teurer werden?

 und geben im Anschluss daran Handlungsempfehlungen.

Ist Fliegen in Zeiten von Corona möglich?

Das Auswärtige Amt hat Warnungen vor Reisen ins Ausland ausgesprochen, die zunächst bis Ende April 2020 Gültigkeit haben. Die Grenzen der meisten Länder sind dicht. Die Antwort auf die Frage, ob Fliegen aktuell möglich ist, ist daher ja, jedoch nur unter bestimmten Bedingungen und nur für bestimmte Personengruppen. Zu diesen Bedingungen gehören die Visaregelungen und Einreisebestimmungen des jeweiligen Landes, die Sie z. B. täglich aktualisiert auf den Seiten der IATA nachlesen können. Zu den bestimmten Personengruppen gehören Rückholer, verschiedene Berufsgruppen wie z. B. medizinisches Personal, Erntehelfer und Diplomaten. 

Fazit: Für den normalen Geschäftsreisenden ist Fliegen derzeit nicht möglich, Flugbuchungen jedoch schon.

Was spricht für eine Flugbuchung zum jetzigen Zeitpunkt?

Auch wenn Fliegen aktuell nicht möglich ist, Flugbuchungen sind es: Auf den offiziellen Webseiten der Airlines finden sich zum jetzigen Zeitpunkt sehr günstige Angebote z. B. für die zweite Jahreshälfte 2020. Vor allem Flüge nach Asien oder Afrika sind so günstig wie selten zuvor. Schon ab 400 Euro können Sie derzeit Flüge in diese Regionen buchen (z. B. Economy-Class Lufthansa). Lohnt es sich, das Risiko einzugehen und diese Flüge zu buchen? Das Preisszenario, so wie es derzeit auf dem Markt ist, ist z. T. Ausdruck des Überlebenskampfes einiger Airlines. Mit günstigen Angeboten soll die Liquidität aufrechterhalten werden. Daher ist davon auszugehen, dass sobald Fliegen wieder möglich ist und die Buchungsvolumina für Flüge wieder anziehen, die Airlines versuchen werden, die Einbußen dieser Krise über die Ticketpreise wieder aufzuholen. Daher wird es aller Voraussicht nach nicht wieder so günstige Flugpreise geben. Die Preise werden steigen, um den durch die Krise bedingten Einschnitt zu überwinden. 

Fazit: Mit der Buchung eines dieser aktuellen Angebote hätte man demnach eine sehr günstige Geschäftsreise gebucht.

Was spricht gegen eine Flugbuchung zum jetzigen Zeitpunkt?

Das entsprechende Negativszenario sieht etwas anders aus. Wenn Sie jetzt ein günstiges Flugticket buchen, und es aufgrund derzeit nicht bekannter zukünftiger Einreisebestimmungen der Länder auch in der zweiten Jahreshälfte nicht nutzen können, wird Ihnen ein Gutschein ausgestellt. Diesen können Sie dann zwar für die Neubuchung eines Fluges zu einem anderen Zeitpunkt einsetzen, jedoch müssen Sie dann mit der Zahlung eines Aufpreises für die Preisdifferenz zum neuen Tarif rechnen. In diesem Fall würde die Flexibilität der Umbuchung also einen Aufpreis bedeuten, wenn die Flugpreise nach der Krise anziehen. Dass die Verteuerung der Flugticketpreise eines der wahrscheinlichsten Szenarien ist, bestätigen derzeit mehrere Branchenkenner wie z. B. Luftfahrtforscher Andrew Charlton oder John Strickland, ein unabhängiger Berater der Luftverkehrsbranche oder auch Christoph Brützel, Professor für Aviation Management.

Fazit: Flugbuchungen sind mit einem hohen Risiko verbunden. Dieses zu kennen und einzuschätzen ist wichtig, um sich für oder gegen eine Flugbuchung zu entscheiden. Pro: günstige Flugpreise, Contra: hohes Risiko.

Was ist der Hintergrund, warum Flüge wahrscheinlich teurer werden?

Eine der Auswirkungen der Reglementierungen rund um COVID-19 sind vor allem die finanziellen Schwierigkeiten, in die die Airlines durch die Corona-Krise gerutscht sind. Die Airlines stehen am Boden und sind auf Sparkurs. Mit Thomas Cook Aviation und Germanwings haben die ersten deutschen Airlines ihre Insolvenz bekannt geben müssen. 

Der Markt, der vor der Corona-Krise durch eine Vielzahl von Anbietern geprägt war, mit einer Situation von vielen Anbietern, erhöhtem Angebot und geringerer Nachfrage, führte zu sehr günstigen Flugpreisen. Wenn sich jetzt die Marktsituation so verändert, dass durch die Insolvenzen weniger Airlines am Markt sind, wird allein dieser Fakt dazu führen, dass von einer Verteuerung der Flugpreise auszugehen ist. Dass Insolvenzen überhaupt möglich sind, liegt daran, dass nur sehr wenig Fluggesellschaften weltweit über beachtliche Barreserven verfügen. Hierzu gehören Ryanair und die Lufthansa Gruppe.

Sollten mehrere Fluggesellschaften in die Insolvenz gehen, so wird mit Blick auf den US amerikanischen Markt, auf dem bereits nur wenige Airlines fliegen, das höhere Flugpreisszenario mehr als wahrscheinlich. Denn die verbleibenden Akteure könnten dann beschließen, das Niveau der Flugpreise zu erhöhen. 

Angefeuert wird dies zudem noch von einer erhöhten Steuer seit 1. April 2020 für Flugtickets – einer Steuer, deren Einführung gerade in der Corona-Krise von Branchenverbänden sehr scharf kritisiert wird: Die Steuer werde die Anstrengungen der Unternehmen erschweren, wirtschaftlich wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Vorgesehen ist dabei die Preiserhöhung der Ticketsteuer bei Flügen gestaffelt nach Flugdistanz. Dies sieht wie folgt aus:

  • 75 Prozent Erhöhung für Inlands- und Europaflüge von deutschen Flughäfen von 7,50 Euro auf 13,03 Euro pro verkauftem Ticket 
  • 40 Prozent mehr für längere Flüge bis 6000 Kilometer: von derzeit 23,43 Euro auf 33,01 Euro – rund 
  • 40 Prozent mehr für Langstreckenflüge von 42,18 Euro auf 59,43 Euro.

Hinzu kommt, dass Liquiditätsengpässe und drohende Insolvenzen die Airlines in die Hände staatlicher Beihilfen treiben:

  • Der Bund verhandelt mit Lufthansa um Staatshilfen.
  • Easyjet bekommt Staatshilfen: Bereits ab Ende März sicherten sich mit Easyjet und Norwegian die ersten Airlines öffentliche Hilfen [1]. 
  • Austrian Airlines verhandelt mit Österreich ums Überleben – Eine mögliche Staatsbeteiligung bei der Lufthansa-Tochter wird kontrovers diskutiert. Es geht offenbar um einen Betrag von bis zu 800 Millionen Euro [2].
  • In der Schweiz soll ein Kreditprogramm für die Luftfahrtbranche gestartet werden. 
  • Die italienische Regierung gründet eine neue staatlichen Gesellschaft, die Alitalia übernehmen soll.
  • Air France-KLM meldet ebenfalls Finanzierungsbedarf an. 
  • Staatshilfen bekommen bereits Qantas und Virgin Australia. 

Zu welchen Konditionen diese Staatshilfen gegeben werden, wird gerade verhandelt. Zu welchen Veränderungen dies führen wird, welchen Einfluß eine Verstaatlichung auf die Flugpreise zum einen, aber zum anderen auch auf die Art und Weise des bisher bekannten Fliegens Einfluß nehmen wird, ist ebenfalls unklar.

Handlungsempfehlungen für die Reisenden aus unserer Sicht:

  • Gewohnte Geschäftsreisen per Flug sind aktuell nicht möglich, Buchungen aber schon. 
  • Flüge werden mit großer Wahrscheinlichkeit teurer werden. Daher sind die günstigen Angebote unter den bekannten Risiken abzuwägen.
  • Die finanziell am besten aufgestellten Airlines sind aus aktueller Sicht Lufthansa und Ryanair aufgrund des relativ hohen Eigenkapital-Anteils. 
  • Wenn mit einem ähnlichen Lock-Down-Zeitraum wie in Wuhan, China hierzulande gerechnet wird, dann wären Flüge 2,5 Monate nach Lock-Down-Beginn denkbar – demnach vor oder mit Beginn der Sommerferien. 
  • Wer das Risiko nicht scheut und aus der persönlichen Situation heraus Umbuchungen für unwahrscheinlich hält, könnte jetzt die günstigen Angebote für die zweite Jahreshälfte buchen.
  •  

Für konkrete Fragen zu diesem Thema kontaktieren Sie gern unseren Kundensupport, um z. B. mehr zu günstigen Angeboten bei einzelnen Airlines zu erfahren oder auch ggf. zu Ihren Möglichkeiten einer Umbuchung.

Fußnoten:

[1] https://www.wiwo.de/unternehmen/dienstleister/nebenwirkungen-inklusive-gefaehrliche-hilfen-fuer-die-luftfahrt/25749982.html

[2] https://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/fluggesellschaft-austrian-airlines-verhandelt-mit-oesterreich-ums-ueberleben/25750006.html?ticket=ST-1472445-nNzJ9129E0oW5hKByU6V-ap4

Inhaltsverzeichnis

Ist Fliegen in Zeiten von Corona möglich?

Was spricht für eine Flugbuchung zum jetzigen Zeitpunkt?

Was spricht gegen eine Flugbuchung zum jetzigen Zeitpunkt?

Was ist der Hintergrund, warum Flüge wahrscheinlich teurer werden?

Handlungsempfehlungen für die Reisenden aus unserer Sicht

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