Interview

Greta-Effekt: Welche Rolle spielt der Greta-Effekt in der Corona-Krise?

Comtravo-Geschäftsführer Michael Riegel über den Greta-Effekt auf Geschäftsreisen

Jannyn SaßReiserichtlinien

Was ist der Greta-Effekt und ist dieser durch die Corona-Krise nebensächlich geworden?

Der Begriff Greta-Effekt geht auf die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg zurück, die durch ihren Schulstreik „Fridays for Future“ eine weltweite Klimabewegung gestartet hat. Insbesondere hat sie es geschafft, sowohl Unternehmen und Regierungen als auch Verbraucher dazu zu bringen, bewusster und verantwortungsvoller über ihren CO2-Verbrauch nachzudenken. Durch die Corona-Krise, die sich auf die wirtschaftliche Situation vieler Unternehmen stark auswirkt, ist das Thema Klima für viele eher zweitrangig geworden. Ist der Greta-Effekt verpufft? Greta Thunberg streikt immer noch fürs Klima, auch in Corona-Zeiten, wenngleich nur in kleinen Gruppen oder aus dem Homeoffice. Von dort postet die schwedische Aktivistin zurzeit freitags ihr Streik-Foto.

Verpufft ist der Effekt dennoch nicht, das Thema hat wenig an Brisanz verloren. Zwar ist in der Corona-Krise die Zahl der bedingten Business Trips nach Angaben des Reiseverbands VDR gegenüber 2019 um drei Viertel eingebrochen. Und viele befinden sich im Homeoffice, was die CO2-Emissionen durch das Fliegen einspart. Wenn z. B. zwei Geschäftsleute zu zwei Gesprächspartnern von Stuttgart nach Berlin reisen, verursachen sie bei der Anreise mit dem Flugzeug 470 Kilogramm CO2-Emissionen, mit dem Pkw 380 Kilogramm und mit der Bahn 65 Kilogramm. Dennoch geht die Rechnung nicht ganz auf: Denn auch im Homeoffice verbraucht man CO2, etwa durch stärkeres Heizen zu Hause [1]. In einer Modellstudie haben US-Forscher berechnet, dass die weltweite Internetnutzung zuhause im Zuge der Corona-Pandemie um 15 bis 40 Prozent gestiegen ist. Dadurch entsteht aber auch zusätzlicher Energieaufwand in den Rechenzentren, der bis zu 3,2 Millionen zusätzliche Tonnen CO2-Äquivalente benötigt [2].

Dennoch sind durch die Corona-Krise die CO2-Emissionen 2020 im Vergleich zu 2019 um 2,6 Gigatonnen auf 34 Gigatonnen gesunken, das sei die bislang größte beobachtete Reduktion. Das jedenfalls fanden Wissenschaftler um Corinne Le Quéré von der University of East Anglia im britischen Norwich in einer separaten Studie heraus, die im Fachjournal „Nature Climate Change“ veröffentlicht wurde. Etwa sieben Prozent würde die Reduktion der Emissionen im Vergleich zu 2019 ausmachen. Das bedeutet, das Thema ist noch nicht vom Tisch [3].

Wie beeinflusst der Greta-Effekt die Geschäftsreiseindustrie?

Der Einfluss des Greta-Effektes auf die Geschäftsreiseindustrie liegt darin,CO2-Einsparpotenziale zu erkennen. Eine innerdeutsche Flugreise – morgens hin und abends zurück – löst z. B. einen durchschnittlichen CO2-Ausstoß von 370 kg aus. Die CO2-Emission der Bahn beläuft sich nur knapp auf ein Drittel des Wertes.

Immer mehr Unternehmen und Geschäftsreisende werden sich über den CO2-Ausstoß ihrer Reisen bewusst. Bei Comtravo können wir das zum einen daran beobachten, dass zunehmend mehr Geschäftsreisende den Zug für ihre Reisen wählen. Frankreich hat sogar eine Öko-Steuer auf Flugreisen eingeführt, was Reisende natürlich zusätzlich animiert, mit dem Zug zu reisen. Auch Deutschland diskutiert, eine solche Steuer einzuführen.

Zum anderen sehen wir, dass sich immer mehr Firmen nach Reiseprogrammen erkundigen, bei denen sie die CO2-Emission in irgendeiner Weise ausgleichen können. Es gibt bereits einige Unternehmen, die Lösungen wie z. B. Spenden an Klimaschutzprojekte anbieten, um die Auswirkungen auf die Umwelt zu kompensieren. Wir arbeiten bereits mit einer dieser Lösungen zusammen und streben auch weitere Kooperationen an.

Warum schließen sich Geschäftsreisende dieser Bewegung eher langsam an?

Geschäftsreisende können sich kaum aussuchen, wohin sie reisen, sind in der Regel weniger flexibel als Privatreisende und buchen ihre Reisen oft nicht selbst. Dadurch haben Geschäftsreisende meistens gar keinen Einfluss auf die Wahl des Verkehrsmittels. Hinzu kommt, dass Geschäftsreisen oft sehr spontan gebucht werden und die Rückreise häufig am selben Tag stattfindet. Den Zug als umweltfreundlicheres Verkehrsmittel zu wählen, macht unter diesen Umständen meistens kaum Sinn. Gerade bei Terminen früh morgens oder Terminen, die abends lang gehen, ist das Flugzeug doch oft noch das einzige Transportmittel, was am selben Tag noch ankommt.

Ich bin der Meinung, dass Regierungen mehr in die Infrastruktur der Bahn und andere Mobility-Lösungen investieren sollten, um Unternehmen den Fokus auf Nachhaltigkeit überhaupt zu ermöglichen. Außerdem sollte auch darüber nachgedacht werden, Flüge mit einer zusätzlichen Steuer zu belasten. Da Unternehmen immer kostensensibler werden, würde eine Steuer dazu verleiten, genauer über die Reiserichtlinien nachzudenken.

Warum und wie sollte mein Unternehmen aktiv werden?

Jedes Unternehmen hinterlässt seinen CO2-Fußabdruck. Deshalb liegt es auch in unserer Verantwortung, nachhaltig und verantwortungsvoll zu handeln. In Bezug auf Geschäftsreisen stellen wir uns z. B. folgende Fragen:

  • Ist diese Reise wirklich notwendig?
  • Sollte ich fliegen oder mit dem Zug fahren?
  • Gibt es Alternativen zur Reise?

Als Geschäftsreiseanbieter leben wir natürlich von Geschäftsreisen und ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass Geschäftsreisen für die meisten Unternehmen sehr relevant sind und – zumindest auf einen Großteil der Reisen – nicht verzichtet werden sollte. Deshalb ist es sinnvoll, eine Geschäftsreiselösung zu entwickeln, die neben Flügen auch Züge und Mietwagen als Verticals anbietet. Sofern es die Bedingungen der Reise (Reisezeit, -ziel etc.) zulassen, hat der Kunde dadurch die Möglichkeit, sich für das umweltfreundlichere Verkehrsmittel zu entscheiden.

Wie fängt man an, nachhaltig zu leben?

Das fängt schon beim To-go-Kaffee am Morgen an. Statt Plastikdeckel und -verpackungen lieber recyclebare Becher wählen oder den Kaffee direkt zu Hause trinken. Das Gleiche gilt für Strohhalme, Plastiktüten im Supermarkt oder eben die Wahl des Verkehrsmittels auf Geschäftsreise. Neben dem Verkehrsmittel sollte man auch genau darauf achten, in welchem Hotel man übernachtet. Immer mehr Hotelketten setzen auf Nachhaltigkeit, indem sie sich für LED-Leuchtmittel und intelligente Raumsteuerung entscheiden und dem Gast die Entscheidung, wie oft das Handtuch gewechselt werden soll, überlassen.

Bei Comtravo versuchen wir, den Fokus auf Nachhaltigkeit zu setzen, indem wir Partnerschaften mit Hotels, Fluglinien und Mietwagenanbietern eingehen, die auf ein ‚grünes‘ Verhalten Wert legen.

 

 

[1] https://taz.de/Weniger-Dienstreisen-nach-der-Pandemie/!5747496/

[2] https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0921344920307072?via%3Dihub

[3] https://www.zdf.de/nachrichten/politik/corona-klimawandel-effekt-100.html

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Greta-Effekt und ist dieser durch die Corona-Krise nebensächlich geworden?

Wie beeinflusst der Greta-Effekt die Geschäftsreiseindustrie?

Warum schließen sich Geschäftsreisende dieser Bewegung eher langsam an?

Warum und wie sollte mein Unternehmen aktiv werden?

Wie fängt man an, nachhaltig zu leben?

Sie wollen mehr über Reiserichtlinien erfahren?

In unserem Whitepaper „Das 1×1 der Reiserichtlinien“ erfahren Sie:

  • Warum brauche ich überhaupt eine Reiserichtlinie?
  • Worauf kommt es dabei an?
  • In nur 4 Schritten zur Reiserichtlinie

Reisrichtlinie

E-Book herunterladen

J E T Z T
A N M E L D E N