Artikel

Reisen nach der Corona-Krise

Welche Änderungen sind zu erwarten?

Juliane NeumannReiseplanung

In der Reisewelt ist es fast zu einem kompletten Stillstand gekommen: Flugzeuge stehen am Boden, Grenzen sind geschlossen und Reisewarnungen ausgesprochen. Inzwischen sind einige Grenzen wieder geöffnet und Reisen sind wieder möglich, aber die Krise wirkt sich in großem Umfang auf die gesamte Industrie aus: Da sind also nicht nur Flüge, die wegfallen, sondern auch Hotelbuchungen, Zugbuchungen, Events und Messen, Restaurants, Aktivitäten und Touren. Natürlich kommt dabei immer wieder die Frage auf, wann wieder gereist werden kann und wann die Industrie anfangen kann, sich zu erholen. Allerdings kann es bis zu 5 Jahren dauern, bis das Flugvolumen wieder auf dem Stand wie vor der Krise ist. Im Rückblick auf die Krise nach den Anschlägen vom 11. September im Jahr 2001 dauerte es bis Juli 2004, um die gleichen Passagierzahlen wie vorher zu erlangen. Bei der Finanzkrise 2008 dauerte es gut 2 Jahre. Aktuell haben wir es jedoch mit einem anderen Ausmaß der Krise auf wirtschaftlicher und sozialer Ebene zu tun, weswegen es durchaus länger dauern kann [1], bis sich die Reisebranche wieder erholt hat. Aber es werden sich nicht nur die Passagierzahlen ändern. Das Reisen an sich wird sich kurz-, mittel- und sicherlich auch langfristig nach der Krise ändern. In diesem Artikel betrachten wir bestimmte Faktoren wie Abstandsregelungen und Gesundheitslage und die möglichen Änderungen am Flughafen und in der Luft.

Geschäftsreisen

Bei den zwei großen Gruppen der Reiseindustrie – Geschäftsreisen und Privatreisen – stellt sich zunächst die Frage, welcher der beiden Bereiche zuerst nach der Krise zurückkommen wird. 

Skift [2] im Gespräch mit Alan Woinski (Gründer und Editor-in-Chief von The Daily Lodging Report) und Forbes [3] sind sich einig, dass der Geschäftsreisebereich schneller wieder aufleben wird, vor allem weil Dienstreisen für Unternehmen essentiell sind – jedoch wird es vermutlich auf einem niedrigeren Level sein als bisher. Gerade jetzt werden viele Reisen abgesagt bzw. verschoben – die Nachfrage ist also da und der Nachholbedarf groß.

Allerdings steigen viele Unternehmen momentan auf Online-Meetings um. Das kann natürlich nicht alle Reisen ersetzen, aber sicherlich das Reisevolumen senken. Bereits vor der Corona-Krise zeichnete sich ein Trend ab, dass Meetings häufiger über Zoom und andere Tools abgehalten werden. Die aktuelle Situation ist nun der Härtetest, bei dem gerade fast komplett auf online umgestiegen wird [4]. Laut Forbes werden leider nicht alle Unternehmen durch die Krise kommen. Das sind ebenfalls Geschäftsreisen, die nach der Krise wegfallen [5]. Laut Umfrage des VDR zum Coronavirus Mitglieder gefragt, wie wahrscheinlich die Insolvenz des eigenen Unternehmens ist. Über 80 % haben in der Ausgabe vom 17. April noch gesagt, es sei unwahrscheinlich bzw. eher unwahrscheinlich [6]. Auch wenn der Datensatz nicht besonders groß war (n=42), ist es aktuell ein gutes Zeichen.

In einer neuen GBTA-Umfragen zur Geschäftsreisetätigkeit gaben aber immerhin 54 % an, dass sie überlegen, in Kürze wieder Geschäftsreisen in dem Umfang wie vor der Krise aufzunehmen [7]. Nur 14 % der Befragten gaben an, erst mal nicht vorzuhaben, die Zahl auf das alte Level hochzuschrauben.

Im Unterkunftsbereich haben Hotels voraussichtlich einen Vorteil gegenüber Sharing-Angeboten wie z. B. Airbnb, zum einen weil Geschäftsreisende diese bevorzugen und wegen der Hygienevorschriften. Insbesondere Geschäftsreisende wählen vermehrt Hotels für ihre Dienstreisen aus. Sobald Geschäftsreisen wieder zunehmen, können Hotels also mit mehr Buchungen rechnen.

Fazit: Geschäftsreisen kommen erst langsam und auf einem niedrigeren Level zurück, aber sie werden vor den Freizeitreisen wieder starten. Unternehmen müssen diesbezüglich ihre Prozesse anpassen und mehr auf Berechtigungen für Reisen achten. Allerdings können dabei digitale Reisebüros unterstützen. Nicht nur, dass moderne Technologie die Buchung vereinfacht und effizienter macht, Partner wie Comtravo bieten z. B. Traveler-Dashboards an, sodass Unternehmen immer wissen, wo ihre Reisenden sind. Besonders im Hinblick auf die Fürsorgepflicht von Arbeitgebern ist dies sinnvoll. Mit weiteren Tools wie unserem Corona-Dashboard können Sie verfolgen, wie sich die Pandemie entwickelt und welche Reisen wieder durchgeführt werden können.

Privatreisen

Für Privatreisen wird die Nachfrage (und v. a. der Nachholbedarf) ebenfalls groß sein, sobald Reisen wieder erlaubt sind. Ein großer Faktor, der dabei eine Rolle spielt, ist auch die neu gewonnene Wertschätzung der Reisefreiheit, die wir bisher genossen haben. Allerdings werden Privatreisen erst etwas später wieder losgehen. Hierbei spielt auch der Faktor Sicherheit eine Rolle. Das hat zur Folge, dass gerade am Anfang eher regionale und nationale Reiseziele gewählt werden, auch weil diese vor internationalen Destinationen wieder bereisbar sein werden. Da Social Distancing auch unterwegs eine Rolle spielt, wird es eher weniger zu Gruppenreisen kommen. Vor allem Aktivitäten in der Natur erscheinen als sicher und öffentliche Plätze und große Gruppen werden dann eher als riskant angesehen [8].

Welche Änderungen wird es geben?

Wie man sieht, wirkt sich die Pandemie auf die gesamte Reiseindustrie aus und bringt sie dazu, Änderungen vorzunehmen. Diese Änderungen lassen sich am besten in zwei grobe Gruppen unterteilen: kurz- bzw. mittelfristige Änderungen und langfristige Änderungen. Vieles ändert sich beim Thema Reisen und Coronavirus immer noch ziemlich schnell und häufig. Wir konzentrieren uns daher auf die 7 Änderungen, die sich aktuell abzeichnen.

Kurz- und mittelfristige Änderungen

1. Social Distancing im Flugzeug

Gerade am Flughafen und im Flugzeug werden wir Änderungen sehen – Social Distancing ist gerade in aller Munde. Im Flugzeug haben Fluglinien wie beispielsweise Delta bereits damit angefangen, die Mittelsitze freizulassen. So ist der Abstand zwischen den einzelnen Passagieren größer und insgesamt sind weniger Leute an Bord. Es stellt sich allerdings die Frage, wie es bei Low-Cost-Carriern aussieht. Dort sind die Abstände sowieso kleiner und das Konzept rentiert sich vor allem bei einer Fülle an Passagieren. Hier wird es die Zeit zeigen, ob alle Airlines auf die Option mit dem freien Mittelsitz umsteigen oder nicht – und vor allem wie lange. Hinzu kommt außerdem, dass aktuell der Mundschutz auch am Flughafen und im Flugzeug zu tragen ist.

2. Andere Verkehrsmittel

Gerade dann, wenn Grenzen wieder geöffnet werden und Reisen vermehrt möglich ist, versuchen die Menschen natürlich überfüllte Verkehrsmittel zu vermeiden. Das bedeutet dann auch, dass andere Verkehrsmittel wie zum Beispiel Auto und Bahn bevorzugt werden. Wenn es die Distanz erlaubt, werden dann sicherlich Dienstreisen häufiger mit dem Mietwagen durchgeführt. Aber auch das Klima darf dabei nicht vergessen werden, weswegen gerade jetzt weiterhin auf E-Mobilität gesetzt werden sollte [9].

3. Hotels müssen umdenken

Auch wenn Hotels viele Hygienevorschriften vor der Pandemie eingehalten haben, wird es gerade im Restaurant- und Verpflegungsbereich bei Hotels zu Änderungen kommen. Das bekannte Frühstücksbuffet wird wohl zumindest für eine bestimmte Zeit so nicht mehr durchführbar sein, denn Abstandsregeln können nur schwer eingehalten werden. Möglichkeiten sind, dass Hotels beispielsweise vermehrt auf Zimmerservice setzen oder nach Karte bestellen lassen im Restaurant und den Buffet-Teil streichen.

Innovationen und mögliche längerfristige Änderungen

Aus der Vergangenheit wissen wir, dass einige Änderungen, die im Laufe einer Krise entstehen, das Reiseverhalten permanent verändern. Das beste Beispiel dafür ist wohl die Mitnahme von Flüssigkeiten. Viele erinnern sich bestimmt noch, wie man damals noch mit Flüssigkeiten und Getränken im Handgepäck ganz normal ohne Beschränkungen fliegen konnte. Und so wird auch die aktuelle Krise bestimmte Änderungen mit sich bringen, die längerfristig sein werden.

1. Gesundheits-Screenings

Mittlerweile zeichnen sich die ersten Gesundheits-Check am Flughafen ab. So hat beispielsweise Etihad einen Scanner getestet, der die Körpertemperatur, Atemfrequenz und Herzfrequenz des Reisenden checkt – per Sprachbefehl [10]. Natürlich wird hier der Maschine nicht komplett die Entscheidungskraft gegeben: Sollte es zu Auffälligkeiten kommen, nimmt die Überprüfung jemand vom medizinischen Personal. Nur dieser kann entscheiden, ob der Passagier fliegen darf oder nicht.

Emirates hingegen hat am Flughafen von Dubai Bluttests der Passagiere durchgeführt – Ergebnisse gab es dann innerhalb von 10 Minuten [11]. In welcher Form sich Gesundheits-Checks am Flughafen durchsetzen werden, ist bisher noch offen, aber man sieht bereits, dass verschiedene Optionen getestet werden.

Island hat außerdem angekündigt, Corona-Tests am Flughafen durchzuführen. Wer negativ testet, darf ganz normal ins Land. Wer einen positiven Test hat, muss für 2 Wochen in Quarantäne [12].

2. Wartezeiten

Abstandsregelungen, Gesundheits-Checks und möglicherweise weitere Änderungen haben zur Folge, dass es am Flughafen sicherlich alles etwas länger dauern wird. Die Schlangen werden länger und es geht eben nicht mehr alles so schnell wie früher. Auch bei der Einreise in andere Länder kann es zu längeren Wartezeiten kommen, vor allem, falls Länder ein Gesundheitszertifikat oder ähnliche Dokumente verlangen.

3. Self-Service und Automation

Der Trend hatte sich ja bereits an einigen Flughäfen abgezeichnet: Self-Service. Und der Gesundheits-Check per Sprachbefehl zeigen es ebenfalls. Es wäre nicht überraschend, wenn nach der Pandemie vieles im Self-Service erledigt wird. So kann man den Kontakt weiter reduzieren.

Neben Self-Service wird auch Automatisierung ein Thema sein. Zum einen können bestimmte Prozesse, wie z. B. der Check-in, automatisiert werden. Gerade ein automatisierter Check-in kann Gästen und dem Hotel Zeit sparen und zusätzlich Ansteckungsrisiken durch weniger persönlichen Kontakt verringern. Darüber hinaus testet ein Hotel in Asien gerade Hotel-Roboter, die beispielsweise Getränke zu den Gästen bringen [13].

4. Genehmigungen und Unterstützung digitaler Tools

Laut dem VDR-Barometer vom 17. April haben ca. 70 % der Unternehmen vor, die Notwendigkeit von Geschäftsreisen in Zukunft genauer zu prüfen [14]. Knapp ⅔ der Unternehmen halten es aber eher für (sehr) unwahrscheinlich, dass es zu dauerhaften unternehmensinternen Beschränkungen bei Geschäftsreisen kommen wird. Dennoch bietet sich hier eine Chance für Unternehmen: Nicht nur die Prüfung der Geschäftsreise vorab, aber damit in Verbindung auch Genehmigungsprozesse und die Sicherheit der Reisenden unterwegs lässt sich optimieren. Über die Hälfte der Befragten beim VDR-Barometer hält beispielsweise einen stärkeren Fokus auf das Travel-Risk-Management für (sehr) wahrscheinlich. Dabei können moderne Geschäftsreise-Tools helfen. Wer mit einem digitalen Reisebüro zusammenarbeitet, kann beispielsweise Benachrichtigungen über Buchungen außerhalb hinterlegter Richtlinien einstellen, sodass die Kontrolle über Buchungen behalten wird. Vor allem im Bereich der Fürsorgepflicht unterstützen moderne Tools.

Fazit

Eine Pandemie wie die aktuelle stellt die gesamte Reiseindustrie vor neue Bedingungen und Herausforderungen, die in diesem Ausmaße noch nicht dagewesen sind. Das wird das Reisen für alle ändern. Manche Änderungen sind jedoch nur vorübergehend, andere könnten für immer bleiben und so die Industrie vielleicht vor neue Zwischenfälle besser vorbereiten. Feststeht aber auch: Reisen wird es geben, wir müssen nur vorerst mit mehr Zeit und Vorkehrungen rechnen.

 

 

Quellen:

[1] https://skift.com/2020/04/12/what-shape-would-the-travel-industry-recovery-look-like/?utm_campaign=Early%20Time%20Zone%20-%20Skift%20Daily%20Newsletter&utm_source=hs_email&utm_medium=email&utm_content=86183048&_hsenc=p2ANqtz-8aIG7Dkwv_nZbKvIc_ZKFn1aNBScoYnR_ThL0LRaNAs-00zlrE6-itmTFK5Nq9KOHfPRhuXYX9eZPKgDMnorlaT2lMF0FPR9qQANDdA27O1T5gvTk&_hsmi=86183048

[2] https://skift.com/2020/04/10/hotels-should-expect-business-travel-to-rebound-first-the-long-view-this-week/?utm_campaign=Early%20Time%20Zone%20-%20Skift%20Daily%20Newsletter&utm_source=hs_email&utm_medium=email&utm_content=86183048&_hsenc=p2ANqtz-8aIG7Dkwv_nZbKvIc_ZKFn1aNBScoYnR_ThL0LRaNAs-00zlrE6-itmTFK5Nq9KOHfPRhuXYX9eZPKgDMnorlaT2lMF0FPR9qQANDdA27O1T5gvTk&_hsmi=86183048

[3] https://www.forbes.com/sites/deandonovan/2020/03/30/how-the-airline-industry-will-transform-itself-as-it-comes-back-from-cornonavirus/#173b85de67b9

[4] https://www.forbes.com/sites/deandonovan/2020/03/30/how-the-airline-industry-will-transform-itself-as-it-comes-back-from-cornonavirus/#2e0bdf8567b9

[5] https://www.forbes.com/sites/danielreed/2020/04/15/covid-19-wont-kill-leisure-or-business-travel-but-it-will-change-it-significantly-perhaps-forever/#37d472ba50b4

[6] https://www.vdr-service.de/?id=1576

[7] https://www.fvw.de/biztravel/news/entspannung-firmen-wollen-geschaeftsreisen-wieder-hochfahren-209000

[8] https://www.forbes.com/sites/danielreed/2020/04/15/covid-19-wont-kill-leisure-or-business-travel-but-it-will-change-it-significantly-perhaps-forever/#6cd3e45150b4

[9] https://www.fvw.de/biztravel/news/meine-woche–kw18-auto-first–warum-wir-das-umdenken-jetzt-umdenken-muessen-208400?utm_source=%2Fmeta%2Fnewsletter%2Fbiztravelnews&utm_medium=newsletter&utm_campaign=nl1918&utm_term=72d0a0e7dce916fbde7f8ee181d280a2

[10] https://skift.com/2020/04/06/etihad-to-test-new-airport-scanners-for-pinpointing-sick-passengers/

[11] https://www.businesstravelnews.com/Global/Emirates-Plans-Rollout-of-Rapid-Covid-19-Testing

[12] https://www.austrianaviation.net/detail/island-corona-test-am-flughafen/

[13] https://skift.com/2020/04/22/asias-hotels-warming-up-to-automation-thanks-to-growing-social-distancing-norms/?utm_campaign=Early%20Time%20Zone%20-%20Skift%20Daily%20Newsletter&utm_source=hs_email&utm_medium=email&utm_content=86811728&_hsenc=p2ANqtz-9Z0iZJe74wh9lR3FgdJAmpdQCXbxmmltehC_zXO8Mk51y1CppNLDypOMOKfqGD0E7C1u7G0qDZOj-K7lRvjYhNWUmrVndsDK_dBypclf4BgUVCQ84&_hsmi=86811728

[14] https://www.vdr-service.de/?id=1576

Inhaltsverzeichnis

Geschäftsreisen

Privatreisen

Welche Änderungen wird es geben?

Kurz- und mittelfristige Änderungen

Innovationen und mögliche längerfristige Änderungen

Sie wollen mehr über Reiseplanung erfahren?

In unserem Whitepaper „So optimieren Sie Ihr Travel-Budget durch Daten“ erfahren Sie:

  • Wie erstellen Unternehmen ein smartes Reisebudget?
  • Wie lässt sich das Reisebudget durch Daten optimieren?
  • Vorteile eines datengetriebenen Reisebudgets

Reiseplanung


E-Book herunterladen

J E T Z T
A N M E L D E N