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Sammelst du schon oder fliegst du noch?

So funktionieren Vielfliegerprogramme

Juliane NeumannReiserichtlinien

An der Rezeption stehen die Leute Schlange. Ein gutaussehender Mann im besten Alter schlendert an ihnen vorbei, zeigt dem Hotelangestellten mit geübter Geste eine kleine Karte vor und geht direkt weiter an den Tresen, um einzuchecken. Als sich die Frau, die vorne in der Reihe steht, darüber empört, belehrt sie der Rezeptionist mit übertriebener Höflichkeit, dass Mitglieder im Bonusprogramm der Hotelkette Vortritt haben. Daraufhin schnappt sich der Hotelgast eine Werbebroschüre für das Programm und hält sie der Frau süffisant lächelnd unter die Nase – mit der Empfehlung, sie solle mal reinschauen, das Programm habe tolle Vorzüge. Die Frau platzt vor Wut.

Die Szene stammt aus dem Film „Up in the Air“: George Clooney spielt darin Ryan Bingham, einen Mann, der sich bestens auf Bonusprogramme versteht, denn sein Lebenswerk ist es, 10 Millionen Meilen bei der Airline seines Vertrauens zu sammeln. Weit ist davon entfernt ist er nicht mehr, denn er reist beruflich permanent durchs Land und weiß sein Meilenkonto mit allen möglichen Kniffen zu füllen. Aber was ist das überhaupt, ein Meilenkonto? Und welche Vorteile bringt es mit sich?

Vielfliegerprogramme

Anfang der 80er Jahre fiel der Startschuss für die heute branchenweit üblichen Vielfliegerprogramme. Der Chef der US-amerikanischen American Airlines, Robert Crandall, entdeckte, dass 40 % des Umsatzes von lediglich 5 % der Kunden erzeugt werden, da diese so häufig fliegen. Damit war klar, wie elementar treue Kunden für den wirtschaftlichen Erfolg einer Airline sind. Fortan versuchten Fluggesellschaften aktiv, diese so eng wie möglich an sich zu binden.

Wie der Name schon sagt, belohnen Vielfliegerprogramme all die Kunden, die häufig (oder weit) mit einer bestimmten Airline fliegen. Darüber hinaus wird honoriert, wenn die einzelnen Flüge in den höheren Serviceklassen (Business Class und First Class) bzw. Buchungsklassen angetreten werden, schließlich sind diese teurer als Flüge in der Economy Class. Und je mehr Geld ein Kunde bei einer Airline lässt, desto wertvoller ist er naturgemäß für diese.

Meilen sammeln

Um zu bewerten, wie intensiv ein Kunde eine Airline nutzt, werden seine „Meilen“ nachgehalten. Dafür erhält er nach der Anmeldung bei einem Vielfliegerprogramm eine Karte mit einer individuellen Nummer, die er bei der Buchung oder beim Check-In angibt. Daraufhin werden seine Meilen verbucht. Wie viele Meilen man für eine bestimmte Buchung erhält, lässt sich mit sogenannten Meilenrechnern auf den Homepages der Airlines ermitteln.

Um Meilen einer bestimmten Airline zu sammeln, ist man nicht zwangsläufig an diese gebunden. Viele Fluggesellschaften haben Allianzen gebildet, unter anderen mit dem Zweck, dass Passagiere bei mehreren Airlines Meilen sammeln können. Verrechnet werden sie dann bei dem Programm, das der Fluggast bei der Buchung angibt. Die größte Allianz dieser Art ist die „Star Alliance“ mit der Lufthansa, United Airlines, Turkish Airlines und vielen mehr. Die beiden wichtigsten anderen Allianzen sind „Sky Team“ (Air France, Delta Air Lines, Aeroflot u. a.) und „Oneworld Alliance“ (British Airways, American Airlines, Qatar Airways u. a.).

Abgesehen von den Flugbuchungen selbst kann man auch bei Partnerunternehmen der Airlines Meilen sammeln. Wenn man etwa bei bestimmten Hotelketten oder Mietwagenfirmen bucht, erhält man dafür Meilen. Mittels spezieller von den Airlines herausgegebener Kreditkarten kann man auch unabhängig von Partnerprogrammen Meilen anhäufen. Entscheidend ist in diesem Fall allein der Umsatz, der über die Kreditkarte läuft. So erhält man beispielsweise bei der goldenen „Miles & More“-Kreditkarte der Lufthansa 1 Meile pro 2 Euro Umsatz (bei einer privat genutzten Karte). Dazu kommen weitere Benefits wie ein Willkommensbonus von einigen tausend Meilen oder die unbegrenzte Gültigkeit von Prämienmeilen. Bezahlt man mit den Kreditkarten der Airlines bei Partnerunternehmen, erhält man mehrfache Meilen.  

Status- und Prämienmeilen

Man unterscheidet zwei Arten von Meilen: Prämienmeilen und Statusmeilen. Prämienmeilen können gegen Freiflüge oder Upgrades, aber auch gegen Sachprämien wie Koffer, Elektrogeräte o. Ä. eingetauscht werden. Außerdem ist es unter bestimmten Umständen möglich, mit Prämienmeilen Statusmeilen zu kaufen, wobei man mehrere Prämienmeilen für 1 Statusmeile bezahlt (bei der Lufthansa etwa ist das Verhältnis 5:1). Ein weiteres Charakteristikum von Prämienmeilen ist, dass sie in der Regel nach 1 bis 3 Jahren verfallen.

Von Statusmeilen kauft man sich im Gegensatz zu Prämienmeilen keine einmaligen Benefits. Stattdessen steigt man mit ihnen in bestimmte Statusklassen auf, die einem Privilegien gegenüber dem Standardpassagier bzw. gegenüber denjenigen mit einem geringeren Status sichern. So darf man beispielsweise zusätzliche Gepäckstücke mitnehmen, kann einen Fahrdienst zum Flughafen in Anspruch nehmen oder erhält Zugang zu exklusiven Flughafen-Lounges mit Verpflegung. Jede Fluglinie vergibt andere Statuslevel. Statusmeilen verfallen in der Regel nach einem Jahr, müssen also immer wieder neu erflogen werden.

Arbeitgeber oder Arbeitnehmer – wem gehören die Meilen?

Wichtig zu wissen: Auf Dienstreisen gesammelte Meilen stehen laut einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom 11. April 2006 grundsätzlich dem Arbeitgeber zu, selbst wenn ein Unternehmen bei einer Fluggesellschaft gar nicht als Inhaber einer Vielfliegerkarte registriert werden kann. Das bedeutet, der Arbeitnehmer sammelt die Meilen und ist auch derjenige, der sie am Ende eintauscht, wobei der Arbeitgeber entscheiden kann, dass dies nur für dienstliche Zwecke geschieht. So kann etwa der nächste geschäftliche Flug über das Meilenkonto bezahlt werden. Ein anderer denkbarer Fall wäre, dass eine eingetauschte Sachprämie im Büro landet und nicht beim Mitarbeiter zu Hause.

Natürlich können Arbeitgeber ihren Mitarbeitern alternativ gestatten, die Meilen privat zu nutzen. Äußert sich der Arbeitgeber zunächst nicht zu den Meilen, muss er laut des Gerichtsurteils damit rechnen, dass ein Angestellter, der die Meilen bislang privat genutzt hat, diese auch weiterhin selbst nutzen darf. In diesem Fall liegt nämlich eine sog. „betrieblichen Übung“ vor: Aus der regelmäßigen Wiederholung eines bestimmten Verhaltens des Arbeitgebers – Erlauben der privaten Meilennutzung – kann der Arbeitnehmer schließen, dass ihm diese Leistung auf Dauer eingeräumt werden soll. Dadurch wird eine freiwillige Leistung eines Arbeitgebers zu einer verpflichtenden, die er nicht mehr einseitig aufkündigen kann. Um Unklarheiten und Rechtsstreitigkeiten zu vermeiden, ist es für beide Seiten am angenehmsten, wenn die Nutzung von Bonusmeilen schon im Arbeitsvertrag klar geregelt wird.

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Egal, ob auf Geschäftsreisen gesammelte Meilen privat oder dienstlich genutzt werden, sie zu haben, bringt Vorteile mit sich. Comtravo berücksichtigt deshalb Meilenkonten bei allen Buchungen von Geschäftsreisen. Das heißt, wir geben nicht nur ihre Meilennummer bei der Buchung an, wir recherchieren auch, welche Reiseoption die beste fürs Meilenkonto ist.

Inhaltsverzeichnis

Vielfliegerprogramme

Meilen sammeln

Status- und Prämienmeilen

Arbeitgeber oder Arbeitnehmer – wem gehören die Meilen?

Mit Comtravo Meilen sammeln

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